Distance Matters

Distance Matters

27. Juni bis 3. Juli, 12 – 18 Uhr

Distance Matters – coming together to stay apart

 

Bei „Distance Matters“ geben Studierende aller drei Fachbereiche der HfK Einblicke in ihr Kunststudium in Zeiten der Pandemie.

Erfahrungen der gefühlten Einsamkeit sind ebenso persönlich wie universell. Aber da ist auch Wut durch fehlendes Vertrauen in Behörden, Medien und Statistiken zu erleben. Tim Voss: „Dieses lang ersehnte, nun endlich mögliche Zusammenkommen im Taubenheim von Open Space soll mit dem Austausch gemeinsamer Erfahrungen ein stellvertretendes, reinigendes Vorhaben werden – in der Hoffnung auf bessere Zeiten.“

Im ersten der drei Räume, auf zirka 120 Quadratmetern im Inneren der Gerüststruktur, zeigen die 22 internationalen Studierenden der Klasse „Erweiterte Filmische Räume und konzeptionelle Fotografie“ von Prof. Rosa Barba in einer multimedialen Installation die Beiträge, die dem gegenseitigen Kennenlernen dienten. Schließlich sind die Studierenden seit Beginn der Pandemie über die ganze Welt verteilt – Korea, China, Iran, Russland, Deutschland – und konnten einander nur online begegnen. So gaben sie sich gegenseitig Handlungsanweisungen, wie sie aus der Performance-Kunst bekannt sind. Daraus entstanden überwiegend Filme, die für diese Ausstellung unter dem Titel „Coming together to stay apart“ zusammengefasst werden.

Im zweiten Raum schafft das Künstlerkollektiv „Distance Matters” – Fabiola Amaudric du Chaffaut, Víctor Artiga Rodríguez, Simon Schadwinkel, Tarik Kentouche –, das der gesamten Ausstellung auch seinen Titel gibt, eine begehbare, ortspezifische Rauminstallation aus Malerei, Keramiken, Elektronik und Materialarrangements: „Exhibition 1.5“. Die Künstler*innen verstehen ihre kollaborative Praxis als malerischen Umgang mit dreidimensionalen Objekten und deren Positionierung im Raum. Sie stellen damit Fragen wie: Kann man die Distanz durch unseren gemeinsamen Denkprozess verkürzen?

Dieser Installation gegenüber steht die Arbeit „Through the Fake Cardboard Window“ des aus St. Petersburg stammenden Studenten der Digitalen Medien Viacheslav Romanov. Er präsentiert eine interaktiv-immersive Videoinstallation, bestehend aus einer Dummy-Malkartonwand mit Fenster und einer Projektionswand, auf der das Video einer Straße in Romanovs Heimatstadt zu sehen ist. Dahinter ein LCD-Bildschirm mit täglich aktualisierten Covid-Statistiken und -Schlagzeilen, eine interaktiv zu bedienende Schnittstelle für den Besucher zur Navigation im Zeitrahmen der ersten Welle der Covid-19-Pandemie. Diese Fake-Welt wird zu einer überzeichneten Allegorie der eigenen Wahrnehmung als Kunststudent unter diesen Bedingungen.

Die Installation „Discrimination“ der südkoreanischen Studentin Ju Hyeong Lee im dritten Raum ist ein Ausschnitt ihrer Diplomarbeit im Studiengang Freie Kunst. Sie transformiert die diskriminierenden Erlebnisse als Koreanerin in Bremen bei Ausbruch der Pandemie. Ju Hyeong Lee: „Ich wähle fünf Arten von Diskriminierung aus und mache sie zu fünf kleinen und essbaren Objekten für die Besucher. Diese Arbeit ist ein Prozess, bei dem ich mich selbst umschaue und darüber nachdenke, ob ich auch jemanden diskriminiert habe. Diskriminierung ist ein ziemlich verzweifelter Akt.“